Regentropfen im Unterricht?

In den Fernstudienmodulen wird die Hälfte des Unterrichtsstoffes zu Hause erarbeitet. Diese Form der Schule ist immer wieder auch Möglichkeit, eigene Stärken und Vorlieben mit einzubringen. Wie gut solche Aufgaben bewältigt werden können, hat Scherin Yousif (6G) gezeigt, die auf eine Fernstudienaufgabe in Physik den folgenden Text geschickt hat. Aufgabe war, anhand dieses Videos zu beschreiben, wie Regentropfen vom Fenster laufen.

Ein von @karambelll gepostetes Video am

Wassertropfen knallen auf das Fenster, große und kleine Tropfen sind zu erblicken und obwohl sie alle gleich sind, verhalten sie sich dennoch alle anders. Die kleinen Tropfen haften am Fenster, die Unterseite, die in Richtung des Beobachters zeigt, weist eine klare und durchsichtige Form auf, wobei unterschiedliche Merkmale zu beobachten sind…

Einige Tropfen sind in sich abgeschlossen, andere wiederum sind auf einer Seite offen, so, als wären sie beim Aufprall zersprungen und unvollständig liegen geblieben. Es gibt längliche, in sich geschlossene Tropfen, längliche offene Tropfen, wobei bei Letzteren auch mehrseitige Öffnungen zu beobachten sind; weiters runde Tropfen, die aussehen, als hätte man einen Zirkel verwendet um ihnen eine exakte Form zuzuweisen. Das sind meist die kleinsten Tropfen, die wohl zu wenig Masse haben, um zu zerspringen. Nach längerer Beobachtung ist zu sagen, dass sich die kleinen Tropfen nicht bewegen, es sei denn, ein großer Tropfen kollidiert mit diesen und verursacht ein Tropfenchaos, das das Gleichgewicht auf der Fensterscheibe durcheinanderbringt, wobei eine erhöhte Unruhe der anderen, nicht getroffenen kleinen Tropfen nicht beobachtet werden kann.

Diese Gleichgewichtsstörung rührt – wie schon erwähnt – aus dem Aufprall der großen Tropfen; sie treffen die Fensterscheibe, platzen, wobei eine Öffnung nach oben hin möglich ist. Durch ihr immenses Gewicht nehmen diese großen Tropfen alles mit, was sich ihnen in den Weg stellt. Durch diese Kollision kommt es zur Fusion mit kleinen Tropfen, wobei zu beobachten ist, dass der größere, auf den kleinen Tropfen Treffende seine Größe – mit dem sichtbaren Auge – nicht verändert. Aus diesem Grund ist anzunehmen, dass eine Aufnahme des Inhalts eines kleinen Tropfens nicht stattfindet oder eben stattfindet, aber für den Menschen nicht sichtbar ist. Bemerkenswert am großen Tropfen ist die Schnelligkeit des zu beschreitenden Wegs. Durch die glatte Oberfläche bahnt er seinen Weg durch die tausenden, kleinen Tropfen.

Der wesentlichste, mit dem freien Auge erkennbare Unterschied zwischen kleinen und großen Tropfen ist wohl der Schleier, im Folgenden „Verdunkelung“ genannt. Diese Verdunkelung entsteht sehr plötzlich, ohne vorherige Anzeichen oder Vorwarnung. Es sieht fast so aus, als befände sich der große Tropfen ummantelt in einer Hülle, wobei der Tropfen selbst nicht an dieser Hülle haftet sondern sich frei bewegt, vergleichbar mit einem ungeborenen Kind, wenn es sich als Fötus im Fruchtwasser bewegt. Es scheint, als ob dieser Inhalt seine Farbe in der unteren Region des Fensters verändert, das könnte auf einen Lichteffekt hindeuten, der derzeit nicht näher untersuchbar ist. Diese Verdunkelung könnte jedoch, und dies ist ein nicht zu unterschätzender Aspekt, durch die Aufnahme von kleinen Tropfen entstehen (Kollision). Durch die sich vergrößernde Masse, die bei einer solchen Kollision, entsteht der Effekt der „Verdunkelung“ und das Auge glaubt, eine Verschleierung zu sehen.

Hinweisen möchte ich abschließend noch auf Verhalten der kleinen Tropfen gegenüber den großen. In erster Linie ist klar zu erkennen, dass der Weg, den die großen Tropfen beschreiten und wegen ihrer Masse gehen müssen, immer frei bleibt, also kein Anspruch der kleinen Tropfen auf diesen Bereich gestellt wird. Geduldig platzieren sich die kleinen Tropfen am Rande dieses Wegs und halten Abstand, fast so, als wollen sie nicht verschluckt und in den Abgrund gezogen werden, wo ihnen sodann das Ende mit Aufprall auf dem Fensterbrett blüht. Und obwohl sie Abstand halten, entfernen sie sich nicht und so entsteht beim Beobachter ein malerisches Bild von Tropfen auf einer Fensterscheibe.

Scherin Yousif, 6G